HORVENTURE Archiv der Dunkelheit
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AKTE 74 · EINTRAG 74-14 · VERFASSER P.B. · SEKTION XV

Autorenleben

Wie ich ein Buch auseinandernehme

Bevor ein Buch neu wird, muss es erstmal ganz kaputt. Ein Blick in meinen Kopf.

Die meisten denken, überarbeiten heißt: nochmal drüberlesen, Kommas richten, fertig. So ein Quatsch. Bei mir ist es das Gegenteil. Ich nehm das Buch komplett auseinander, bis auf die Knochen.

Ich les es einmal ganz durch und schreib bei jeder Szene an den Rand, was sie soll - und was sie wirklich macht. Meistens ist das nicht dasselbe. Dann sehe ich, wo ich gehetzt hab, wo eine Figur nur funktioniert, statt zu leben, wo ich Angst behauptet statt sie gebaut hab.

Dann kommt der unangenehme Teil. Ich frag mich bei jeder Zeile nicht, ob sie okay ist - sondern ob sie sein muss. Das meiste darf bleiben. Aber das, was rausfliegt, tut weh wie sonst was, weil man mal stolz drauf war. Genau die Zeilen sind es fast immer. Die schönsten Sätze sind oft die eitelsten. Weg damit.

Der Kern ändert sich nie. Wer in Nitun stirbt, stirbt. Aber der Weg dahin wird enger, dunkler, ehrlicher. Am Ende steht dasselbe Buch - nur so, wie ich es heute erzählen würde. Und dann leg ich es zurück ins Regal und zieh das nächste raus.

- Patrick Beilke (P.B.) · derzeitiger Archivar